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Interview mit einer der ehren-amtlichen DeutschlehrerInnen

Seit einigen Wochen unterrichten Ehrenamtliche die Flüchtlinge der Notunterkunft in der deutschen Sprache. Im folgenden Interview stellte uns eine dieser DeutschlehrerInnen ihre Arbeit vor. (Den Namen haben wir geändert)

Willkommen in Wustermark:   Hast du eine Ausbildung als Deutschlehrerin? 

Debora Eder:   Nein, das ist meine erste Lehrerfahrung.

 

WiW:   Glaubst du, dass das ein Problem ist?

Eder:   Natürlich wäre es von Vorteil, verschiedene Lehrmethoden zu kennen, aber bei einer Gruppe von wenigen Leuten, die erst einmal die Grundlagen der Sprache lernen müssen, geht es auch mit gutem Willen und etwas Phantasie.

 

WiW:   Wer sind deine Schüler im Deutschunterricht? Woher kommen sie?

Eder:  Ich habe 4 Frauen aus Afghanistan in meiner Gruppe. Manchmal kommen auch die Kinder dazu.

 

WiW:  Spricht jemand von deinen Schülern schon Deutsch oder wenigstens Englisch oder eine andere Sprache, über die ihr euch einigermaßen verständigen könnt?

Eder:  Leider nicht.

 

WiW:  Wie verständigt ihr euch dann?

Eder:  Es muss mit Mimik, Gestik und Wörterbuch gehen. Da ist wirklich Einfallsreichtum gefragt. Wir haben aber Spaß dabei ...

 

WiW:  Wie leicht oder schwierig findet ihr den Unterricht? 

Eder:  Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Ich versuche, mich immer auf dem Level meiner Schülerinnen zu bewegen. Mein Eindruck ist, dass die Schülerinnen den Unterricht ernst nehmen aber auch gern dabei sind. Keine wird überfordert – bei so einer kleinen Gruppe kann man auf jeden eingehen.

 

WiW:  Wie häufig gibst du Deutschunterricht?

Eder:  Einmal die Woche.

 

WiW:  Was hast du deinen Schülern schon beigebracht?

Eder:  Begonnen haben wir mit Mann, Frau, Mutter, Tochter etc., haben uns über Körperteile, Kleidungsstücke, Lebensmittel, Formular ausfüllen und das Thema Wohnen nun zur leichten Satzbildung vorgearbeitet.

 

WiW:  Wie ist der Unterricht strukturiert? Benutzt du fertiges Material? Oder ist dein Unterricht durch aktuelle Erlebnisse deiner Schülerinnen inspiriert?

Eder:  Ich habe mir Material aus dem Internet besorgt, aber auch selbst welches angefertigt. Demnächst bekomme ich Lehrbücher, die mein Arbeitgeber sponsert. 

Nach dem wir die absoluten Grundlagen durchgenommen haben, fand ich es wichtig, den Frauen das Ausfüllen eines Formulars beizubringen – Geburtsdatum, Adresse usw. – ansonsten bitten mich die Frauen auch selbst, bestimmte Themen zu behandeln – neulich sollte es die Uhrzeit sein. Einen großen Teil des Unterrichts nimmt das Wiederholen ein.

 

WiW:  Sind deine Schüler motiviert Deutsch zu lernen?

Eder:  Sie sind sehr motiviert. Ich freue mich immer, dass Sie sich über die Woche selbstständig mit Deutsch beschäftigen und manchmal schon selbst wieder einen Schritt weiter gekommen sind. Man merkt, dass sie das Gelernte aus der Vorwoche üben. Ich denke, die Motivation ist der Wunsch anzukommen und selbstständig zu werden in unserem Land.

 

WiW:  Wie findest du die Zeit, zusätzlich zu deinen normalen Verpflichtungen auch noch diesen Deutschunterricht anzubieten?

Eder:  Ehrlich gesagt – leicht ist es nicht für mich, da ich ja arbeite und auch sonstige Verpflichtungen habe. Aber ich finde es für mich wichtig, in dieser speziellen Zeit, mehr zu tun als nur mitleidig die Meldungen über Menschen in Not im Fernseher zu verfolgen. Ich möchte etwas tun, damit „Wir schaffen das“ Wirklichkeit wird.

 

WiW:  Was ist das schönste am Unterrichten oder was war dein größter Erfolg bisher?

Eder:  Das Schönste ist, dass wir immer gemeinsam etwas zu lachen haben. Als Erfolg sehe ich, dass die Frauen erste Sätze sprechen können.

 

WiW:  Herzlichen Dank für das Gespräch!