Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Interview mit drei afghanischen Flüchtlingen

Seit einigen Monaten berichten wir nun über unsere Bemühungen und Aktivitäten für die Flüchtlinge. Nun ist es aber auch wichtig, dass diese selbst zu Wort kommen. In unserem monatlichen Interview geben drei afghanische Flüchtlinge Einblicke in ihr Leben vor, während und nach der Flucht.

 

(Da alle Interviews – zumindest zum Teil – mit Hilfe einer Übersetzungssoftware durchgeführt wurden, wollen wir uns    bei unseren Gesprächspartnern entschuldigen, falls es unwissentlich zu Missverständnissen gekommen ist.)

Willkommen in Wustermark:   Warum habt ihr euer Land verlassen und warum seid ihr nach Deutschland gekommen?

Herr A:   Unser Land ist nicht sicher. Einer meiner Brüder wurde von den Taliban getötet.

Herr N:   In dem Ort in dem ich gelebt habe, wurden jeden Tag drei Menschen von den Taliban getötet. Auf der Flucht, habe ich schlimme Dinge gesehen; einen Toten im Wald und ertrunkene Menschen.

Herr M:   Als ich elf war, haben schon alle meine Verwandten im Ausland gelebt. Dann habe ich mich vor einer Weile entschieden, nach Pakistan und Iran zu gehen, wo meine Angehörigen lebten. Meine Mutter war die Einzige aus der Familie, die in Afghanistan geblieben ist. Als ich zurückkam, merkte ich, dass es dort immer schlimmer wurde und habe mich entschlossen, auszuwandern.

 

WiW:   Seid ihr alleine oder mit Familienangehörigen oder Freunden nach Deutschland gekommen?

M:   Allein. Und ich war zwei Monate in der Türkei im Gefängnis, weil die Polizei dort dachte, ich sei ein Schlepper.

A:   Ich bin allein hier angekommen. Ich bin mit einem Freund geflohen, aber der ist nicht in Elstal. Er ist wo anders.

N:   Ich bin mit meinem jüngeren Bruder nach Deutschland gekommen, aber der lebt in einer anderen Stadt.

 

WiW:   Wie lange hat die Reise nach Deutschland gedauert und durch welche Länder seid ihr auf dem Weg hierher gereist?

M:   Die meisten von uns sind über Pakistan, Iran, Türkei, Mazedonien, Serbien und Österreich gekommen. Viele von uns sind einen oder sogar zwei Monate lang Tag und Nacht gelaufen. In einigen Ländern, zum Beispiel Österreich, gab es Busse. Ich bin nach Griechenland mit dem Boot gefahren.

 

WiW:   Was gefällt euch an Deutschland oder der deutschen Kultur am besten?

A:   Hier ist es ruhig und friedlich. Und man ist in Sicherheit; das ist gut.

N:   Hier gibt es Gesetze, auf die man sich verlassen kann. Jeder weiß, was erlaubt ist. Es gibt kein illegales Verhalten.

M:   Dass die Regierung Menschen aus anderen Ländern hilft. Und dass die Menschen hier den Flüchtlingen gegenüber freundlich und hilfsbereit sind.

 

WiW:   Was findet ihr an Deutschland oder der deutschen Kultur am schwierigsten?

N:   Es ist für mich schwierig, in Deutschland Hilfe bei gesundheitlichen Problemen zu bekommen. Ich habe Schwierigkeiten mit dem Gehör und mit dem Magen.

M:   Ich bin nicht in Deutschland zur Schule gegangen. Das ist ein Problem. Aber ich bin sehr froh, das nachzuholen.

A:   Ich habe noch keine Schwierigkeiten erlebt.

 

WiW:   Wie ist das Leben im Flüchtlingsheim?

N:   Gut.

A:   Ich bin glücklich, dass ich dort mit sehr netten Menschen zusammen lebe.

M:   Hier kann man aus dem Haus gehen und ist trotzdem sicher. In Afghanistan weiß man nie was passiert. Es ist dort nicht sicher.

 

WiW:   Lernt ihr schon Deutsch? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

N:   Ja wir lernen alle Deutsch. Ich lerne Deutsch, weil die Menschen hier eine andere Sprache sprechen und ich mit ihnen sprechen möchte.

A:   Damit ich in Deutschland leben kann und meine Schwierigkeiten bewältigen kann.

M:   Ich möchte die Deutschen kennenlernen und ihre Kultur. Ich möchte sie verstehen.

 

WiW:   Was plant ihr für eure Zukunft in Deutschland?

A:   Ich bin Schneider. Ich würde auch gern in Deutschland weiter als Schneider arbeiten und vielleicht auch noch mehr in meinem Fach lernen.

M:   Ich habe als Metzger gearbeitet, auf einer Hühnerfarm. Das würde ich auch gern hier tun.

N:   In der Zukunft, wenn ich genug gelernt habe, dann möchte ich anderen so helfen, wie ihr es im Moment für uns tut.

 

WIW:   Was gefällt euch an Elstal, was gefällt euch an Elstal nicht?

A:  Wir mögen alle Elstal. Es ist ein schönes Dorf.

N:  Aber es ist schwierig, dass ich nur 2 oder 3 Tage pro Woche Unterricht habe, weil ich dann nicht schnell lernen kann. Sonst könnte ich Deutsch in 3 bis 4 Monaten lernen.