Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Interview mit einem Elstaler Flüchtling

Vor fast 60 Jahren floh Frau B. mit ihren Eltern aus der DDR nach Westdeutschland. In einem Interview erzählte sie uns von ihrer Geschichte:

Willkommen in Wustermark:   Wie alt waren Sie, als Sie geflüchtet sind?

Frau B.:   Ich war 6 Jahre alt. Meine Schwester erst 3 ½.

 

WiW:   Warum ist Ihre Familie geflüchtet?

Frau B.:   Mein Vater wollte nicht in die SED eintreten. Durch seine Arbeit war er im Westen gewesen. Er war also ein sogenannter „Grenzgänger“. In seiner Familie gab es durchaus auch SED-Anhänger. Aber er war eine „rote Socke“, ein SPDler.

 

WiW:   Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an die Flucht denken?

Frau B.:   Wir haben alles zurück gelassen. Zum Beispiel unsere Möbel. Wir haben nur mitgenommen, was wir am Leib trugen. Mein Vater hat schon Wochen vorher versucht, einige kleinere Gegenstände hinüber zu schaffen.

 

WiW:   Wie war es in der neuen Heimat anzukommen?

Frau B.:   Wir kamen in das Notaufnahmelager Marienfelde. Nach einigen Wochen dort wurden wir in eine andere Einrichtung verlegt. Dort haben wir uns eine Wohnung mit zwei anderen Familien geteilt. Die Wohnung hatte nur ein Bad und eine Küche. Das war nicht einfach.

 

WiW:   Wie hat sich Ihre Familie ein neues Leben aufgebaut?

Frau B.:   Es dauerte 2 Jahre bis wir in unsere Wohnung in Siemensstadt zogen; wo meine Eltern Arbeit fanden. Aber als Deutscher ist alles so viel einfacher als was die heutigen Flüchtlinge erleben. Es gibt keine Sprachbarriere und es ist viel einfacher, Arbeit zu finden.

 

WiW:   Was war damals an der Flüchtlingsdebatte und an der Realität der Flüchtlinge in Deutschland anders als heute?

Frau B.:   Das war ja damals noch die Zeit des Wirtschaftswunders. Da gab es nicht so viele negative Gefühle und Ängste gegenüber Flüchtlingen wie heute, keine Rivalität um Arbeit. Das bezog sich übrigens auch auf die Menschen, die nach Deutschland eingeladen wurden, um hier zu arbeiten. Meine Eltern arbeiteten mit diesen Menschen zusammen, zum Bespiel aus der Türkei, Slowenien und Kroatien. Und wir Kinder spielten mit einander – und unsere Kinder später dann sowieso. Deshalb ist es wichtig, dass man sich auch heute engagiert und die Flüchtlinge kennen lernt.

 

WiW:   Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Eindrücke!